Es sah so gut aus: eine Bundesliga-Saison mit nicht nur einem, sondern gleich zwei niederländischen Trainern. Erik ten Hag und Paul Simonis wurden der 20. und 21. Trainer aus den Niederlanden in der Geschichte der renommierten Liga. Der brandneue Trainer des VfL Wolfsburg erwischte einen durchaus ordentlichen Start, während der von Bayer Leverkusen nach dem zweiten Spieltag bereits wie Sperrmüll vor die Tür gesetzt wurde.
Es ist eine Liste voller großer Namen, in die sich Ten Hag und Simonis Mitte August mit ihrem Bundesliga-Debüt einreihten. Angesichts des Alters des Trainers, der Go Ahead Eagles in diesem Jahr zum ersten großen Titel geführt hat – er ist erst vierzig –, kann Simonis noch voller Zuversicht nach oben blicken. Mit 387 Bundesliga-Spielen auf der Bank von Schalke 04, Hertha BSC, dem 1. FC Köln, dem Hamburger SV und dem VfB Stuttgart ist Huub Stevens nahezu unerreichbar, doch mit einigen soliden Spielzeiten kann man bereits zur ersten Verfolgergruppe aufschließen. Zu Trainern wie Arie Haan (127 Bundesliga-Spiele beim VfB Stuttgart und beim 1. FC Nürnberg), Rinus Michels (115 beim 1. FC Köln und bei Bayer Leverkusen), Jos Luhukay (110 beim 1. FC Köln, bei Borussia Mönchengladbach, beim FC Augsburg und bei Hertha BSC), Bert van Marwijk (100 bei Borussia Dortmund und beim Hamburger SV) und Peter Bosz (92 bei Borussia Dortmund und bei Bayer Leverkusen) hätten sich Ten Hag ebenso wie Simonis gerne gesellt. Doch es kam anders.
Der Trainer, der Go Ahead Eagles 2013 erstmals seit siebzehn Jahren wieder in die Eredivisie führte, sah seinen Stern auch während seiner zwei Jahre als Trainer von Bayern München II weiter steigen. Sehr geschätzt für die Art und Weise, wie er den FC Utrecht zu einer gut geölten Maschine formte. Und allgemein bewundert, beinahe verehrt für das Ajax-Team, das ganz Europa verzauberte und fast ein lange nicht mehr für möglich gehaltenes Champions-League-Finale erreichte. Manchester United erwies sich trotz eines gewonnenen League Cups und FA Cups als ein nicht zu gewinnender Kampf. Und dann folgte sein bizarres Engagement bei Bayer Leverkusen. Die Blitz-Entlassung … „Nach nur zwei Ligaspielen von einem Trainer Abschied zu nehmen, ist beispiellos“, reagierte Ten Hag entsetzt.
Statt eines Platzes neben Haan, Michels, Luhukay, Van Marwijk und Bosz – oder zumindest im Windschatten von Louis van Gaal (63 Spiele für Bayern München), Martin Jol (34 für den Hamburger SV) oder Alfred Schreuder (30 für die TSG 1899 Hoffenheim) – findet sich der aus Haaksbergen stammende Trainer am Ende der Rangliste niederländischer Bundesliga-Coaches wieder. Zwei Spiele – damit steht er gleichauf mit Ricardo Moniz (Hamburger SV) und Eddy Achterberg (Schalke 04), die beide nur kurzzeitig als Interimstrainer einsprangen.
Also richtet sich der Blick nun auf Simonis. Auch für ihn lauern einige Gefahren. Denn der VfL Wolfsburg ist keineswegs der einfachste Klub der Bundesliga. Mark van Bommel musste dort vor nicht allzu langer Zeit bereits nach 115 Tagen gehen, obwohl der Limburger in Deutschland einen Namen hatte und damit deutlich mehr Kredit besaß als der für viele Deutsche noch unbekannte Simonis. Doch der junge Trainer hat genügend Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten, um das Abenteuer beim Klub von Volkswagen anzutreten. „Ich habe die Vereinsführung hier von meiner Arbeitsweise in Deventer überzeugt“, sagte Simonis. „Der Klub will wieder erfolgreich sein und eine dominantere Rolle in der Bundesliga spielen. Wir wollen um die europäischen Plätze kämpfen, berücksichtigen aber auch die enorme Konkurrenz in dieser Liga.“ Hoffentlich hat man in Wolfsburg mehr Geduld als in Leverkusen.